Lombardische Briefsammlung

Die Vorab-Edition von Heinz-Jürgen Beyer (Stand ca. 2010) wird nicht weiter bearbeitet. (Info)

2     Überlieferungsgeschichte

Wattenbachs Iter Austriacum 1853 hat für die Kenntnis der Ars dictandi einigen Gewinn gebracht - umso mehr, als er sich einerseits bemüht hat, ihm reichsgeschichtlich interessant erscheinende Texte zügig zu edieren, sowie andererseits den fiktiven Charakter der Briefsammlung und ihre Beziehungen zu anderen Artes dictandi erkannt hat. Zwischenzeitlich hat sich die Einschätzung historischer "Relevanz" etwas geweitet, so dass es nunmehr an der Zeit ist, auch scheinbar Nebensächliches - z.B. Privatkorrespondenz - ins (rechte) Licht zu rücken.

Die von Wattenbach aus der Wiener Handschrift cvp 2507 (V) auszugsweise edierte oberitalienische Briefsammlung war zuvor bereits durch einige von Kortüm gedruckte und für echt gehaltene Briefe zur Reichsgeschichte (Regierungszeit Lothars III. von Supplinburg) bekannt geworden. Zuvor hatte bereits Amadesi einzelne Briefe, die für die Ravennatische Kirche interessant erschienen, ediert.
In der o.a. Wiener Handschrift steht die Briefsammlung im Kontext anderer Werke zur Ars dictandi. So wird sie "eingerahmt" von dem sog. Lombardischen Traktat (ff. 7v-27r) und einer "Lombardischen Appendix" (ff.64r-67v), die wir unabhängig von der Briefsammlung in zwei Exkursen (A und B) betrachten wollen.

Auf die Salzburger Handschrift St. Peter Cod. a.V.13 (S) als zweitwichtigsten Überlieferungsträger hat Wortsbrock hingewiesen. Diese Sammelhandschrift enthält die Briefe 1 bis 56 in der gleichen Reihenfolge wie die Wiener Handschrift (V).

Auf die Turiner Handschrift Cod. 704 (T) machte Hoffmann, ohne den Überlieferungszusammenhang zutreffend zu erkennen, aufmerksam. Diese (leider einem Bibliotheksbrand zum Opfer gefallene) Handschrift überliefert auf 2 Blättern allerdings nur die Briefe 78, 79 und 19 (und zwar in dieser Reihenfolge).

Schließlich findet sich noch Brief 1 als Einzelüberlieferung am Schluss eines Traktats der
Aurea-Gemma-Gruppe - nämlich der sog. Aurea Gemma Berolina - in der Kopenhagener Handschrift 3543 (H).

Der Herausgeber selbst verdankt die Kenntnis dieser Briefsammlung ebenso wie eine erste Transkription (nach Hs. V) seinem geschätzten Doktorvater und früheren "Chef" an der Ruhr-Universität Bochum, Professor Dr. Franz-Josef Schmale.



3     Beschreibung der Handschriften

Die Reihenfolge der Handschriften in der nachfolgenden Handschriftenbeschreibung orientiert sich an ihrer Bedeutung für die Überlieferung; in unserem Fall ist die Bedeutung auch mit dem Umfang gleichzusetzen: V, S, T, H.



Aufgrund der nur begrenzten Gemeinsamkeiten - kein Brief ist in allen 4 Handschriften überliefert - ist es schwierig, ein zuverlässige Aussage über das Verhältnis der Handschriften zueinander zu machen. Vorerst lässt sich immerhin Folgendes feststellen:
  • Keine der vier Handschriften scheint eine andere von diesen direkt benutzt zu haben.
  • Die Latein-Kenntnisse des S-Schreibers scheinen von etwas besserer Qualität zu sein als die von V; das gilt im Zweifel auch für die Widergabe von Eigennamen.
  • Andererseits arbeitet S offenbar gelegentlich flüchtiger (mehr Auslassungen) als V.
  • S erscheint sprachlich "kompetenter" als V; dies gilt bes. für die Schreibung von Eigennamen. Außerdem verwendet S weniger Kürzungs(zeich)en als V.
  • Die Textqualität der Turiner Handschrift (T) ist im allg. schlechter als die der Wiener Handschrift (V), ohne jedoch von dieser abhängig zu sein.
  • ... Hs. H ...
  • ...

    Übersicht    Weiter...