Regesten zu den Briefregistern des Deutschen Ordens IV: der Ordensfoliant 13, hg. und bearb. von Jürgen Sarnowsky (Beihefte zum Preußischen Urkundenbuch 6) Göttingen 2024, V&R unipress, 494 S., 1 Abb., ISBN 978-3-8471-1687-5, EUR 65. – Die Fortsetzung einer verdienstvollen Regestenreihe ist hier anzuzeigen, die zugleich von einer entbehrungsreichen Arbeit des Hg. und Bearbeiters zeugt. Derartige Grundlagenwerke sind für weitere Forschungen, hier zum Deutschen Orden, unentbehrlich und haben einen nachhaltigen Wert. Handwerklich ist die Aufarbeitung des Briefregisters perfekt und lässt kaum Wünsche offen. Der Ordensfoliant 13 enthält die ausgehende Korrespondenz des Hochmeisters und seiner Kanzlei aus dem Zeitraum 1426 November 17 bis 1439 März 29; der Schwerpunkt liegt in dem Zeitraum 1433–1438. Damit wird im Kern die Zeit des Hochmeisters Paul von Rusdorf erfasst. Insgesamt handelt es sich um 598 Regesten. Die Ordensfolianten sind ein wesentlicher Bestandteil der XX. Hauptabteilung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem. Die im Ordensfolianten 13 meist in Form von Konzepten gesammelten Briefe zeigen zumindest zwei Besonderheiten: Sowohl Briefe an die livländischen Landmeister wie auch an die Gebietiger und Kommenden in Preußen fehlen weitestgehend, was den Bearbeiter zu der (schlüssigen) Vermutung führt, dass für beide Bereiche separate Registraturen vorhanden waren, die aber verloren gegangen sind. Die Regierungszeit Pauls von Rusdorf (1422–1441) war geprägt von beständigen Auseinandersetzungen mit dem polnischen König wie auch mit den preußischen Ständen und den benachbarten Hansestädten. Die Konflikte waren auch durch hohe Steuerforderungen von Seiten des Ordens bedingt. Ferner versuchte der Deutschmeister Eberhard von Saunsheim (1420–1440) eine gewisse Oberhoheit über den Hochmeister zu erlangen. Es ist also eine spannende Periode der Ordensgeschichte, für die nun Briefregesten vorliegen. Insgesamt sind drei Themenbereiche zu erkennen: zum ersten Briefe an die benachbarten Fürsten und Herrscher, zum zweiten solche an Kaiser und Könige bzw. den Deutschmeister und andere Komture im Reich, und zum dritten sind eine Reihe von Ergänzungen gesammelt. Im zweiten Themenbereich finden sich auch Briefe an europäische Könige und Herrscher sowie an den Papst. Eine zugegeben zufällige Auswahl mag die Vielfalt der Briefinhalte andeuten: So schickte im Juni 1434 der Hochmeister zwei Bevollmächtigte des Ordens an das Konzil von Basel (Nr. 181), im März 1438 folgten für das Konzil gesammelte Gelder, insbesondere solche für die Kirchenunion mit den Griechen wie auch für Ablässe (Nr. 530, 532). Der Landkomtur zu Bozen war für die Transferierung der Jahresgelder an den dem Hochmeister unterstehenden Generalprokurator des Ordens in Rom im Dezember 1437 zuständig (Nr. 485). Die Ausfuhr von Pferden war ein zentrales Thema. So verbot der Hochmeister im März 1437 die Ausfuhr hochwertiger Pferde, weil sich in Preußen selbst ein Mangel an solchen abzeichnete (Nr. 380); im März 1438 folgte eine hochmeisterliche Verordnung an die Komture in Preußen über den Rosshandel (Nr. 531). Zentral blieb auch das Verhältnis zum Deutschmeister, wie es sich in den Briefthemen widerspiegelt: Im April 1436 forderte Paul von Rusdorf die Rückgabe der Schuldbriefe, die sich in den Händen des Deutschmeisters befanden. Dabei werden die gesamteuropäischen Finanzierungswege sichtbar; hier werden Münzveränderungen in Flandern als Grund für die verzögerte Rückzahlung angegeben (Nr. 305). Im August desselben Jahres berichtete der Hochmeister von dem Friedensschluss mit Polen und geht erneut auf die erwähnte Rückzahlung von hochmeisterlichen Schulden ein (Nr. 328). Im September verkündigte Paul von Rusdorf dem Deutschmeister und allen Gebietigern in deutschen Landen den „Ewigen Frieden von Brest“ (Nr. 330). Im selben Monat ging es erneut um Schulden des Hochmeisters, u.a. auch solche gegenüber einem Söldnerführer, der im Auftrag des Ordens gegen Polen gekämpft hatte (Nr. 335). Im November hatte sich der Landkomtur von Sachsen über die finanzielle Belastung des Deutschmeisters beklagt (Übernahme von Schulden der Ballei Thüringen), für die der Hoch- beim Deutschmeister um Entgegenkommen bat (Nr. 349). In einem Brief vom Juli 1437 erhält man interessante Einblicke in den Ablauf der diplomatischen Kontakte zwischen Hoch- und Deutschmeister, die, wie kaum anders zu erwarten, über spezielle Boten abliefen (Nr. 436). Nach der Wahl Albrechts zum römischen König setzten sich die Auseinandersetzungen zwischen Hoch- und Deutschmeister fort; der Hochmeister schickte im März 1438 einen Abgesandten, um Intrigen des Deutschmeisters am königlichen Hof zu verhindern (Nr. 529). Die Beispiele ließen sich nahezu endlos fortsetzen. Sie dokumentieren die vielfältigen Kontakte des Hochmeisters, deren Kenntnis grundsätzlich notwendig ist für einen detaillierten Einblick in die Entscheidungsfindungsprozesse der Ordensspitze.
Helmut Flachenecker