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Die Urkunden der Fürsten von Rügen. Beurkundungsorte und Register der Beurkundungszeugen als Beitrag zur Geschichte des Fürstentums Rügen, bearb. von Jürgen Hamel (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Barth 5) Leipzig 2022, Akademische Verlagsanstalt, 143 S., 1 Abb., ISBN 978-3-946281-17-7, EUR 14,50. – Seit 2016 hat das Stadtarchiv Barth in rascher Folge bislang sechs Bände einer eigenen Veröffentlichungsreihe vorgelegt. Sie alle verbindet die Mitwirkung von H., der – von Haus aus Astronomiehistoriker – sein Betätigungsfeld in den letzten Jahren zunehmend auf die MA- und Frühneuzeit-Geschichte der Stadt Barth und der umliegenden Region Vorpommern-Rügen erweitert hat. Nach Band 4 mit einem bebilderten Inventar über den Urkundenbestand des Stadtarchivs Barth bietet Band 5 der Reihe ein Verzeichnis zusammen mit einigen Auswertungen der rund 380 Urkunden, die seit 1193 von den einheimischen Fürsten von Rügen ausgestellt wurden, bis zum Aussterben ihres Geschlechts 1325. Die Urkunden selbst liegen seit dem 19. Jh. gedruckt vor, zuerst in Carl Gustav Fabricius’ Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen unter den eingebornen Fürsten (4 Bde., 1841–1869), danach auch in den ersten sechs Bänden des Pommerschen Urkundenbuchs (PUB II–VI, 1881–1907; PUB I, 2. Aufl. 1970). Daher kann sich H.s Übersicht im Kern beschränken auf ein um die Zeugenlisten ergänztes chronologisches Verzeichnis der Urkunden mit Angabe ihrer PUB-Nummer, der Daten und Orte ihrer Ausstellung, ihrer Aussteller und der Urkundensprache (S. 14–54), ferner auf eine nach den fürstlichen Ausstellern geordnete chronologische Aufstellung der Ausstellungsorte, die als Baustein zur Itinerarforschung dienen könnte (S. 55–64), auf ein Verzeichnis der Ausstellungsorte nach ihrer Häufigkeit (S. 65–67) und auf ein Register der Urkundenzeugen (S. 68–134). Die Verzeichnisse werden ergänzt durch eine Auszählung der zehn Adelsgeschlechter, deren Angehörige am häufigsten als Urkundenzeugen auftreten (S. 135), ein nach Funktionen angeordnetes Verzeichnis höfischer Funktionsträger (S. 135–138) und einen Anhang zur Genealogie des rügischen Fürstengeschlechts (S. 142f.). Weitere auswertende Überlegungen finden sich in der Einführung mit ihren Beobachtungen zur fürstlichen Reiseherrschaft (S. 9–13), in einem überaus kursorischen Einschub zu den Urkundensprachen (S. 67) und in einem abschließenden Abschnitt mit dem Versuch, die Aussagen der fürstlichen Urkunden für Erkenntnisse zur Stadt- und Residenzentwicklung von Barth zu nutzen (S. 138–141). So nützlich sich die bereitgestellten Aufstellungen und Auswertungen für die Erforschung insbesondere von Itineraren, Beratergremien und Residenzbildung bei den Rügenfürsten erweisen werden – eine Literaturliste, die über die in den Anmerkungen genannten Titel hinausginge, wird sehr vermisst: Denn für alle weiterführenden Fragestellungen an die Urkunden – etwa nach ihren Empfängern, inneren und äußeren Merkmalen oder nach der für ihre Herstellung zuständigen fürstlichen Kanzlei – bleibt man weiter auf die Studien von Martin Schoebel zum Codex Rugianus und zur fürstlichen Kanzlei (1999) oder von Otto Behm zum Urkundenwesen der Fürsten von Rügen (1913) angewiesen, die der Band leider unerwähnt lässt.

Bengt Büttner