The Malatestas’ Registers and Medieval Accounting (13th–15th Centuries). Proceedings of the International Conference Fano, June 6th 2019, ed. by Massimo Ciambotti / Anna Falcioni (Fonti e studi malatestiani 1) Spoleto 2021, Fondazione Centro Italiano di Studi sull’Alto Medioevo, X u. 188 S., Abb., ISBN 978-88-6809-325-9, EUR 30. – Formen und Strategien spätma. Rechnungsführung und Buchhaltung der in der Romagna beheimateten Familie der Malatesta stehen im Mittelpunkt dieses Sammelbandes, der nicht nur die Ergebnisse einer internationalen Konferenz präsentiert, sondern auch den ersten Band einer dieser Überlieferung gewidmeten Buchreihe darstellt. Damit sind drei grundsätzliche Intentionen der Hg. von Band und Reihe deutlich gemacht: die Vorstellung einer territorialherrschaftlich strukturierten Rechnungsüberlieferung des späten MA, deren Kontextualisierung im engeren italienischen und weiteren französisch- und englischsprachigen Kontext sowie der Anstoß zu einer längeren Auseinandersetzung mit diesem Bestand, die auch zukünftig publikatorischen Niederschlag finden soll. Der Band widmet sich nun zum einen der Vorstellung des Bestands hinsichtlich seiner praktischen Umsetzung einer doppelten Buchführung, zum anderen stellt er diesen in einen breiteren Überlieferungskontext, der Bestände aus Siena, Ancona, des Armagnac und (West-)Europas umfasst und von Giorgetta Bonfiglio-Dosio (S. 1–4) einleitend vorgestellt wird. Der erste Beitrag bietet eine systematische Einordnung des Archivbestands in die „signoria malatestiana“, die Anna Falcioni (S. 5–35) entlang der Herrschaftsgeschichte und damit in Verbindung stehender Instruktionen der Verwaltung skizziert. Detailreich widmet sich Massimo Ciambotti (S. 37–84) dem administrativen System der Herrschaft Malatesta, das er ausgehend von der Anlage der verschiedenen Haupt- und Teilrechnungsbücher ausführlich vorstellt. Ähnlich gelagerte Überlieferungskontexte stellt Roberto Di Pietra (S. 85–114) für das Hospital Santa Maria della Scala in Siena vor. Die beigegebenen Graphiken in diesem Beitrag erlauben es, die weitläufigen Abhängigkeiten und Hierarchien im Auge zu behalten. Alan Sangster (S. 115–136) erläutert die Verbreitung der doppelten Buchführung in Europa durch Handelsverbindungen und Netzwerke, Armand Jamme (S. 137–157) verfolgt die Auswirkungen von Rechnungslegung und -prüfung an Beispielen aus der Marca Anconitana, und Guilhem Ferrand (S. 159–173) stellt anhand der Buchführung der Maison d’Armagnac die Frage, ob Zentralisation oder pluralistische Ansätze in der Kontrolle des Finanzgebarens erfolgversprechender seien. Gabriele Archetti (S. 175–188) fasst schließlich die Beiträge zusammen und stellt abschließend fest: „La storia si fa con i documenti“ (S. 187) – und zwar auch mit und aus Rechnungsbüchern.
Elisabeth Gruber