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Die Inschriften der Stadt Wismar, gesammelt und bearbeitet von Jürgen Herold / Mona Dorn. Teil 1: Einleitung, Quellen und Literatur, Register, Abbildungen. Teil 2: Die Inschriften (Die Deutschen Inschriften 103, Göttinger Reihe 22) Wiesbaden 2022, Dr. Ludwig Reichert Verlag, 954 S. in 2 Teilbden., 1 Plan, 87 Taf., ISBN 978-3-95490-251-4, EUR 99. – Die Arbeitsstelle Greifswald der Inschriftenkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat sich aus naheliegenden Gründen zunächst der vorpommerschen Städte angenommen und die Inschriften der Stadt Greifswald 2009 sowie die der Stadt Stralsund 2016 (vgl. DA 77, 308f.) publiziert. Mit Wismar findet nun erstmals eine mecklenburgische Stadt Berücksichtigung, die Inschriften Rostocks und Schwerins sind in Bearbeitung. Insgesamt 2650 Inschriften vom 13. bis zur Mitte des 17. Jh. fanden Aufnahme in die Edition, und zwar nicht nur die im Original erhaltenen, sondern auch solche, die nur in älteren Abschriften oder Abbildungen überliefert sind, und das sind nicht wenige: Von den 764 Artikeln, die der Katalog in Teil 2 präsentiert, behandeln 299 ganz oder teilweise verlorene Objekte, darunter sehr umfangreiche und sehr wichtige wie die verlorene Wandinschrift in der Dominikanerkirche und der Totentanz in St. Nikolai, dem allein elf Druckseiten gewidmet sind. Der Schwerpunkt der Inschriften tragenden Objekte liegt bei den 520 Grabplatten, die nicht nur Einblick in die Sepulkralkultur der Stadt gewähren, sondern auch z.B. den Sprachwechsel vom Nieder- zum Hochdeutschen Anfang des 17. Jh. dokumentieren. Die längeren niederdeutschen und die lateinischen Inschriften werden übersetzt, in den Anmerkungen werden textliche wie inhaltliche Fragen penibel abgehandelt. Die Artikel im Katalogteil sind nach den Inschriften tragenden Objekten chronologisch geordnet, was bei den oft undatierten Inschriften und mehrfach zu verschiedenen Zeiten beschrifteten Objekten nicht einfach ist. Beim Auffinden einzelner Inschriften helfen jedoch die insgesamt zehn sehr differenzierten Register in Teil 1, die für die verschiedensten Forschungsfragen den Zugang zum Material öffnen. Die Einleitung informiert über die Standorte der Inschriften und geht detailliert auf die epigraphische Schriftentwicklung ein bis zur Gestaltung einzelner Buchstaben der gotischen Minuskel und der Kapitalis. 87 Bildtafeln (davon 16 in Farbe) bilden den Abschluss von Teil 1. Mit Hilfe von 285 Abbildungen werden neben spektakulären Objekten wie dem Wandbild in der Heiliggeistkirche mit der Inschrift DEO GRACIAS auf 99 Feldern, Glasmalereien oder der künstlerisch hochwertigen Bronzegrabplatte der aus Pommern gebürtigen Herzogin Sophia von Mecklenburg auch Beispiele für Inschriften auf Kelchen, Pokalen, Glocken und eher unscheinbaren Grabplatten gezeigt. Das ambitionierte Publikationsprogramm der Reihe erschließt zuverlässig sonst schwer oder gar nicht zugängliches Quellenmaterial, dessen Wert und vielfältige Nutzbarkeit unstrittig sind. Das Erscheinen des hohen Ansprüchen gerecht werdenden Werks zu den Wismarer Inschriften ist deshalb nur zu begrüßen.

Andreas Röpcke

(Rezensiert von: Andreas Röpcke)